Die gelaufene Karte für chinesisches Essen in Berlin
Rui Fang, der hinter dem Xiaohongshu-Kanal @Berlin Slowtour steht, begann nicht mit einer App-Idee. Er begann damit, Berlin zu Fuß zu lesen: durch Kieze, Galerien, Friedhöfe und Restaurants. Aus dieser Praxis entstanden erst eine gedruckte Karte für chinesisches Essen in Berlin und später die App Berlin Chinese Food.

Vor der Karte kam das Gehen
Rui Fang kam nicht mit dem Plan nach Berlin, eine Restaurantkarte zu bauen.
Zuerst ging er einfach los.
Seit 2021 lebt er in Berlin. Davor hatte er mehr als zwanzig Jahre in Deutschland verbracht, vor allem im Süden, beim Studium und in der Arbeit. Berlin war für ihn also kein fremdes Land. Aber es war eine Stadt, die man sich langsam erschließen musste.
Seine Wege führten nicht nur zu Brandenburger Tor, Museumsinsel und East Side Gallery. Ihn interessierten die Kieze selbst: das Licht in einer kleinen Kapelle, die Menschen auf einem alten Friedhof, die Frage, warum eine Galerie genau in dieser Straße aufmacht, und warum ein Ort ohne Touristen manchmal besonders nach Berlin aussieht.
Das wichtigste Ziel von Slowtour ist, eine Brücke zu bauen, damit Menschen Berlin verstehen, vertrauter damit werden und sich hier sogar wohler fühlen.
Aus dieser Haltung entstand Berlin Slowtour.

Slowtour ist keine Sehenswürdigkeitenliste
Berlin Slowtour ist keine Stadtrundfahrt für einen Tag. Das Tempo ist bewusst langsam. Fang führt Menschen in Galerien und lässt sie mit den Betreiberinnen und Betreibern sprechen; er geht über Friedhöfe und erzählt von Hegel und Brecht; er betritt Buchläden in Neukölln und fragt, warum jemand Aufkleber von Berliner Wänden sammelt.
Nach fast 50 Touren und knapp 1.000 Teilnehmenden wurde daraus eine Möglichkeit für chinesischsprachige Berlinerinnen, Besucher und Neuankömmlinge, eine persönlichere Beziehung zur Stadt aufzubauen. Manche kamen frisch nach Berlin. Andere lebten längst hier und merkten, wie dünn die eigene Stadtkenntnis noch war.
Die Karte folgt derselben Logik: Sie macht die Stadt lesbar, ohne sie zu glätten.
Von Leopoldplatz zu einem Thema für die ganze Stadt
Vor der Karte für chinesisches Essen machten Fang und der Designer Jiwen eine kleine Kiezkarte für Leopoldplatz. Darauf standen Orte, die Fang selbst kannte: Läden, Ecken, Straßen und Alltagsräume, durch die ein Stadtteil aus einer persönlichen Perspektive sichtbar wurde.
Es wurden nur wenige hundert Exemplare gedruckt. Trotzdem fragten Menschen danach, was als Nächstes komme. Eine Karte für Charlottenburg? Für Schöneberg?
Irgendwann verschob sich die Frage. Was wäre, wenn die nächste Karte nicht einem Kiez, sondern einem Thema folgt?
Die Antwort war chinesisches Essen.
Können wir chinesische Kultur über eine Karte zeigen, nicht nur für Chinesinnen und Chinesen, sondern für alle Menschen in Berlin? Chinesisches Essen war dafür ein guter Einstieg.
Chinesisches Essen passt nicht mehr auf eine Straße
Für viele Berlinerinnen und Berliner beginnt chinesisches Essen noch immer mit der Kantstraße. Das ist nicht falsch, aber längst nicht mehr genug.
Beim Gehen durch die Stadt sah Fang ein anderes Muster entstehen. Malatang-Läden kamen hinzu. Nudelläden mit handgezogenen Nudeln wurden mehr. Hotpot, kleine Gerichte, chinesisches Frühstück, nordostchinesische Küche, Sichuan und Kantonesisch wurden leichter zu benennen und zu verorten.
Chinesisches Essen konzentriert sich nicht mehr auf eine Straße. Rund um den Boxhagener Platz in Friedrichshain, an der Schnittstelle von Wilmersdorf Straße und Kantstraße, in der Nähe der Uhlandstraße und in weniger erwarteten Kiezen entstehen neue Verdichtungen.
Wie finden Menschen heute chinesische Restaurants? Sie schauen auf Xiaohongshu, auf Instagram, auf Google Maps. Die Informationen sind sehr fragmentiert. Ich habe mich gefragt, ob es eine andere Möglichkeit gibt, sie zusammenzubringen.
Ein Restaurant, zufällig gefunden
In Bergmannkiez wollte Fang einmal eigentlich in ein griechisches Restaurant. Es war voll. Nebenan fiel ihm ein chinesisches Restaurant auf, das er noch nicht in seiner Liste hatte. Die Speisekarte hing im Fenster, mit chinesischen Gerichtsnamen.
Er ging hinein. Außer ihm waren fast keine asiatischen Gesichter im Raum. Als die Bedienung hörte, dass er Chinesisch sprach, entstand ein kurzer Moment von Überraschung und Nähe.
Solche Entdeckungen wirken klein. Aber sie zeigen das eigentliche Problem: Berlins chinesische Restaurants sind zu verstreut und verändern sich zu schnell, um sie nur über Erinnerung, gespeicherte Social-Media-Posts oder generische Bewertungs-Apps zu verstehen.
Fang begann die Informationen zuerst auf Xiaohongshu zu sammeln, später in einem einfachen Verzeichnis nach Kiezen. Nach mehreren Aktualisierungen entschieden er und Jiwen, dass daraus eine Karte werden sollte.
Eine Karte, die man aufklappen kann

Die gedruckte Berlin Chinese Food Map verzeichnet 207 Restaurants mit Stand Januar 2026.
Sie setzt diese Restaurants zurück in die physische Stadt: Wasserläufe, Grünflächen, Bezirke, Straßen, Bahnlinien und Kieze. Die Karte ist in acht Bereiche von A bis H geteilt. Jedes Restaurant hat eine Nummer. Auf der Rückseite stehen ein alphabetischer Index, 20 kuratierte Empfehlungen und eine Suche nach Küchenrichtungen.
Auch an Menschen, die gerade erst in Berlin ankommen, wurde gedacht. Die Innenstadt ist vergrößert dargestellt, mit Routen vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor und vom Checkpoint Charlie zum Fernsehturm. Ein Zentimeter auf der Karte entspricht ungefähr 200 Metern zu Fuß.
Diese Körperlichkeit ist wichtig. Man kann die Karte auf einen Tisch legen, mit dem Finger darauf zeigen, sie an einem Restauranttresen mitnehmen oder bei einer Veranstaltung weitergeben. Sie beantwortet nicht nur die Frage, wo man jetzt essen soll. Sie zeigt auf einen Blick, wie stark sich die chinesische Essenslandschaft in Berlin verändert hat.
Wir wollten sie in alle Ecken Berlins bringen, nicht nur zu Chinesinnen und Chinesen, sondern zu allen, die sich für chinesisches Essen interessieren.


Die App ist die Karte in Bewegung
Eine gedruckte Karte hat Grenzen. Restaurants eröffnen, ziehen um, ändern Öffnungszeiten oder Angebote. Wer gerade auf der Straße steht, will außerdem wissen, was jetzt geöffnet ist, wie man hinkommt und ob die Suche auf Chinesisch, Englisch oder Deutsch funktioniert.
Hier setzt Berlin Chinese Food an. Die App ersetzt die Papierkarte nicht; sie führt sie weiter. Sie ergänzt Fotomarker, Küchen- und Format-Tags, Live-Öffnungszeiten, dreisprachige Suche und Navigation.
Die Papierkarte öffnet den Blick auf Berlins chinesische Essenslandschaft. Die App macht diese Landschaft nutzbar, wenn man draußen steht, Hunger hat und den nächsten Ort finden möchte.
Essen zurück in die Stadt setzen
Fangs Spaziergänge bringen Menschen in die Stadt. Die Karte bringt chinesisches Essen zurück in die Stadt.
Pinwo führt diese Arbeit weiter: Hinweise aus Posts, Bewertungen, persönlichen Empfehlungen und eigenen Wegen werden gesammelt und zu einem öffentlichen Einstieg geordnet.
Für Neuankömmlinge nimmt das die erste Unsicherheit. Für Menschen, die schon hier leben, ist es ein Grund, bekannte Straßen noch einmal anders anzusehen.
Eine Karte kann als Punkte und Linien beginnen. Wenn diese Punkte aber von jemandem kommen, der gegangen ist, gegessen, gefragt und sortiert hat, wird daraus mehr: eine Art, die Stadt neu zu erzählen.
Chinesisches Essen in Berlin weiter erkunden
Suche in Pinwo nach chinesischen Restaurants, Sichuan-Küche, Nudelläden und Malatang in Berlin.
Weitere Fragen
Was ist die Berlin Chinese Food Map?
Die Berlin Chinese Food Map ist Pinwos gedruckter und digitaler Guide zu chinesischen Restaurants in Berlin. Die Papierkarte verzeichnet 207 Restaurants mit Stand Januar 2026; die App ergänzt Suche, Filter, Live-Öffnungszeiten und Navigation.
Wer ist Rui Fang?
Rui Fang ist der Gründer von Berlin Slowtour und auf Xiaohongshu als @Berlin Slowtour auf Chinesisch bekannt. Seine Spaziergänge verbinden Menschen mit Berliner Kiezen, Galerien, Friedhöfen und lokalen Räumen; die Food Map entstand aus derselben Praxis.
Wo kann ich Berlin Chinese Food herunterladen?
Berlin Chinese Food kann im App Store heruntergeladen werden. Die App ist für den Moment vor dem Losgehen oder unterwegs gedacht: nach Gericht, Küche oder Kiez suchen, Öffnungszeiten prüfen und direkt zur Navigation wechseln.
Wo bekomme ich die Papierkarte?
Die gedruckte Karte kann kostenlos bei teilnehmenden Partnerrestaurants abgeholt werden. Die Abholorte werden laufend aktualisiert und sind auf der Standortliste nach Bereichen geordnet.
Abholorte ansehen